Ein ungewöhnlicher Held im Untergrund
Am Samstag, den 30. Mai 2026, strahlte Pro7 den Spielfilm „Monkey Man“ aus. Der Actionthriller markiert das Regiedebüt des britisch-indischen Schauspielers Dev Patel, der auch die Hauptrolle übernahm. Die Ausstrahlung um 01:10 Uhr fand jedoch spät in der Nacht statt, sodass viele Zuschauer die Gelegenheit verpasst haben könnten, den Film live zu sehen. Für alle, die ihn verpasst haben, gibt es jedoch gute Nachrichten: Der Sender zeigt den Film am 6. Juni 2026 um 01:40 Uhr als Wiederholung. Die Laufzeit beträgt 125 Minuten, und die Ausstrahlung erfolgt in HD mit Untertiteln. Ob der Film auch in der Pro7-Mediathek verfügbar sein wird, ist derzeit unklar – in der Regel finden sich viele Sendungen dort, aber nicht alle.
Die Handlung dreht sich um Kid, einen jungen Mann, der in illegalen Underground-Fights als Punching Ball mit einer Affenmaske auftritt und täglich Prügel einsteckt. Tagsüber arbeitet er als Tellerwäscher in einem edlen Bordell, um Zugang zu einem Syndikat zu finden, das er für den Mord an seiner Mutter verantwortlich macht. Je näher er seinem Ziel kommt, desto gefährlicher wird sein Plan – denn seine Gegner entpuppen sich nicht als einfache Gesetzlose, sondern als hochrangige Würdenträger und Politiker. Was Dev Patel hier als Hauptdarsteller und Regisseur gelang, ist weit mehr als eine indische Variante von „John Wick“. Der Film zitiert nicht nur große Momente des Adrenalinkinos, sondern zeigt auch Minderheiten in Indien, die keine Stimme haben. Diese soziale und politische Dimension verleiht dem Thriller eine Tiefe, die über reine Action hinausgeht.
Dev Patel: Vom „Slumdog Millionär“ zum Regisseur
Dev Patel wurde einem weltweiten Publikum mit seiner Rolle in Danny Boyles „Slumdog Millionär“ (2008) bekannt, einem Film, der acht Oscars gewann. Seither hat er sich als vielseitiger Schauspieler etabliert – von „The Best Exotic Marigold Hotel“ über „Lion“ (für den er eine Oscar-Nominierung erhielt) bis hin zur Serie „The Personal History of David Copperfield“. Mit „Monkey Man“ wagte er den Schritt hinter die Kamera und bewies ein ausgeprägtes Gespür für Inszenierung, Schnitt und Sounddesign. Der Film entstand über mehrere Jahre hinweg; Patel hatte die Idee bereits 2018, doch die Produktion wurde durch die COVID-19-Pandemie und andere Herausforderungen verzögert. Gedreht wurde unter schwierigen Bedingungen in Indien, unter anderem in Mumbai und in den Slums der Stadt. Das Budget war mit rund 10 Millionen US-Dollar vergleichsweise gering, doch Patel und sein Team nutzten kreative Methoden, um imposante Actionszenen zu realisieren – darunter lange Kamerafahrten und choreografierte Nahkämpfe, die an asiatische Martial-Arts-Filme erinnern.
Der Film erhielt bei seiner Premiere auf dem South by Southwest (SXSW) Festival 2024 positive Kritiken und wurde für seine rohe Energie und Patels Regiearbeit gelobt. Die US-Kinoveröffentlichung erfolgte im April 2024, der Film spielte weltweit rund 50 Millionen US-Dollar ein – ein respektabler Erfolg für ein Independent-Projekt. In Deutschland kam „Monkey Man“ im Mai 2024 in die Kinos, bevor er nun im Fernsehen ausgestrahlt wird. Die FSK-Freigabe ab 18 Jahren unterstreicht die brutalen Kampfszenen und die düstere Atmosphäre des Films.
Handlung im Detail: Rache und soziale Ungerechtigkeit
Kid (gespielt von Dev Patel) wächst in einem abgelegenen Dorf in Indien auf, wo seine Mutter (Adithi Kalkunte) als Aktivistin gegen die Korruption und Unterdrückung durch einen einflussreichen Geschäftsmann und Guru (Sikander Kher) kämpft. Als Kid noch ein Kind ist, wird seine Mutter vor seinen Augen ermordet – von den Schergen des Syndikats. Kid flieht in die Großstadt, wo er jahrelang im Untergrund lebt und sich zu einem Kämpfer ausbildet. Er schließt sich einem illegalen Fight-Club an, der von einem zwielichtigen Promoter (Sharlto Copley) betrieben wird. Kid trägt stets eine Affenmaske – eine Anspielung auf den mythologischen Affenkönig Hanuman, der in Indien als Symbol für Stärke und Hingabe verehrt wird. Durch seine Arbeit im Bordell trifft er auf eine junge Transgender-Frau (Sobhita Dhulipala), die ihm hilft, in die höheren Kreise des Syndikats einzudringen. Der Film zeigt schonungslos die Kluft zwischen Arm und Reich, die Unterdrückung von Frauen und LGBTQ+-Personen in Indien sowie die Allmacht korrupter Politiker und religiöser Führer. Diese Themen sind nicht nur Hintergrund, sondern treiben die Handlung voran: Kid wird zum Werkzeug der Befreiung für die Unterdrückten, auch wenn sein persönlicher Rachefeldzug im Vordergrund steht.
Die Actionsequenzen sind hart und realistisch inszeniert – Patel ließ sich von Filmen wie „The Raid“ und „John Wick“ inspirieren, aber auch von traditionellen indischen Kampfkünsten wie Kalarippayattu. Der Film enthält keine übernatürlichen Elemente; Kid ist ein Mensch, der Schmerz und Blutverlust spürt. Diese Bodenständigkeit macht die Kämpfe umso intensiver. Ein besonders denkwürdiger Moment ist eine atemlose einminütige Kamerafahrt durch ein Bordell, in der Kid sich durch eine Horde von Gegnern kämpft – eine Hommage an die legendäre Aufnahme aus „Oldboy“. Der Soundtrack von Jed Kurzel (bekannt für „Macbeth“ und „The Babadook“) unterstreicht die düstere Stimmung mit elektronischen Klängen und indischen Instrumenten.
Besetzung und Stab: Ein vielseitiges Ensemble
Neben Dev Patel in der Hauptrolle versammelt der Film eine bemerkenswerte internationale Besetzung. Sikander Kher spielt den Antagonisten Rana, einen skrupellosen Geschäftsmann mit politischen Verbindungen. Sharlto Copley, bekannt aus „District 9“ und „Elysium“, verkörpert den Fight-Club-Besitzer Tiger – eine Rolle, die mit schwarzem Humor und einer unberechenbaren Energie gespielt wird. Pitobash („Million Dollar Arm“) liefert eine komödiantische Nebenrolle als Kids Freund und Koch im Bordell. Vipin Sharma („Dangal“) spielt einen ehemaligen Soldaten, der Kid das Kämpfen beibringt. Sobhita Dhulipala („The Night Manager“) überzeugt als Alpha, eine Transgender-Frau, die Kids Verbündete wird. Das Drehbuch stammt von Dev Patel, Paul Angunawela und John Collee; letzterer war bereits an „Master and Commander“ beteiligt. Die Kameraarbeit von Sharone Meir („Whiplash“) ist dynamisch und setzt oft auf helle Neonfarben und starke Kontraste, um die schmutzige Unterwelt Indiens einzufangen. Der Schnitt liegt in den Händen von David Jancso („The Square“), der den rasanten Rhythmus der Action betont. Die Filmmusik von Jed Kurzel kombiniert Synthesizer mit traditionellen indischen Ragas und schafft so eine einzigartige Klanglandschaft, die die emotionale Reise des Protagonisten widerspiegelt.
Themen und Rezeption: Mehr als nur ein Actionfilm
„Monkey Man“ wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Auf Rotten Tomatoes hält der Film eine Zustimmungsrate von 85 Prozent bei den Kritikern und 72 Prozent beim Publikum. Gelobt wurden vor allem die Inszenierung der Action, die soziale Botschaft und Dev Patels Leistung vor und hinter der Kamera. Einige Kritiker bemängelten die Länge des Films (125 Minuten) und die teilweise überfrachtete Handlung, die zwischen Rachegeschichte und Gesellschaftskritik schwankt. Dennoch gilt der Film als ein wichtiges Werk, das die Stimmen von marginalisierten Gruppen in Indien in den Mittelpunkt stellt. Besonders die Darstellung der LGBTQ+-Community und die Anprangerung von Polizeigewalt und Korruption sind Themen, die in Bollywood-Produktionen oft ausgeklammert werden. Patel selbst betonte in Interviews, dass er mit „Monkey Man“ eine Geschichte erzählen wollte, die persönlich ist – seine eigene Mutter war in ihrer Jugend Aktivistin – und die universelle Fragen nach Gerechtigkeit und Identität aufwirft.
Der Film hat auch eine starke visuelle Symbolik: Die Affenmaske steht für die Entmenschlichung und die Selbstaufgabe des Helden, während die erwachte Hanuman-Figur am Ende für Hoffnung und Stärke steht. Die Actionszenen sind nicht nur Selbstzweck, sondern spiegeln den inneren Konflikt von Kid wider, der immer wieder an seine Grenzen stößt. Ein wiederkehrendes Motiv ist das Spiegelbild: Kid sieht sich selbst im Spiegel der Unterdrückten und erkennt, dass sein persönlicher Rachefeldzug Teil eines größeren Kampfes ist. Diese Tiefe macht „Monkey Man“ zu einem der interessantesten Actionfilme der letzten Jahre.
Für Zuschauer, die die Wiederholung am 6. Juni 2026 um 01:40 Uhr auf Pro7 verpassen, bleibt die Möglichkeit, den Film auf DVD oder Blu-ray zu erwerben, wo er bereits erhältlich ist. Auch auf einigen Streaming-Plattformen wie Amazon Prime oder Netflix könnte der Film in Zukunft erscheinen, doch dies ist derzeit nicht bestätigt. Wir empfehlen, die TV-Ausstrahlung zu nutzen, um dieses intensive Kinoerlebnis in voller Länge zu genießen. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren sollte beachtet werden.<
Source: Spielfilm.de News