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Jeff Bezos: Geringverdiener sollen keine Steuern zahlen – Milliardäre aber auch nicht mehr

May 24, 2026  Twila Rosenbaum  7 views
Jeff Bezos: Geringverdiener sollen keine Steuern zahlen – Milliardäre aber auch nicht mehr

Jeff Bezos' Steuervision: Entlastung für Geringverdiener, aber keine höheren Abgaben für Reiche

Amazon-Gründer und Multimilliardär Jeff Bezos hat in der CNBC-Sendung „Squawk Box“ eine überraschende Steuerreform vorgeschlagen. Er plädierte dafür, dass Menschen mit geringen Einkommen überhaupt keine Steuern mehr zahlen sollten. Zugleich sprach er sich jedoch entschieden gegen höhere Steuern für Wohlhabende und Milliardäre aus. Der Vorschlag kommt in einer Zeit, in der die Debatte über Steuergerechtigkeit in den USA und weltweit intensiv geführt wird.

Die aktuelle Steuerrealität in den USA

In den Vereinigten Staaten zahlen die oberen ein Prozent der Steuerzahler rund 40 Prozent des gesamten Steueraufkommens, während die gesamte untere Hälfte der Bevölkerung lediglich drei Prozent beiträgt. Die Einkommensgrenze für die unteren 50 Prozent liegt bei knapp 54.000 US-Dollar jährlich. Bezos argumentierte in dem Interview, dass dieser Anteil von drei Prozent auf null gesenkt werden sollte. Für den Staat machten die Steuerzahlungen von Geringverdienern nur einen geringen Anteil aus, während sie für die Einzelnen eine erhebliche Belastung darstellten.

Das Beispiel der Krankenschwester aus New York

Um seinen Vorschlag zu veranschaulichen, nannte Bezos das Beispiel einer hypothetischen Krankenschwester aus New York mit einem Jahreseinkommen von 75.000 Dollar. Diese sollte kein Geld nach Washington senden müssen. Stattdessen, so Bezos, sollte sie eine Entschuldigung erhalten. Der Multimilliardär betonte, dass er sich für eine solche Änderung der Steuerpolitik einsetzen würde, ließ jedoch offen, wie eine konkrete Umsetzung aussehen könnte. Der demokratische Senator Cory Booker hat bereits ein entsprechendes Gesetz vorgeschlagen, das eine Besteuerung erst ab einem Jahreseinkommen von 75.000 Dollar vorsieht.

Kritik an Bezos' Haltung zu Milliardärssteuern

Während Bezos sich für eine Entlastung der Geringverdiener starkmacht, lehnt er höhere Steuern für Reiche und Milliardäre strikt ab. „Man kann nicht von mir verlangen, noch mehr Milliarden zu zahlen“, sagte Bezos. Selbst eine Verdoppelung seiner Steuerzahlungen würde einem Lehrer in New York nicht helfen. Diese Haltung steht im Widerspruch zu Forderungen vieler Politiker und Aktivisten, die eine stärkere Besteuerung von Superreichen fordern, um soziale Ungleichheiten zu bekämpfen. Laut dem Milliardärsindex von Bloomberg verfügt Bezos über ein Vermögen von über 280 Milliarden Dollar, hauptsächlich aus seinem knapp achtprozentigen Anteil an Amazon.

Bezos und die Geschichte seiner Steuerzahlungen

Der Amazon-Gründer steht seit Jahren in der Kritik, zu wenig Steuern zu zahlen. Recherchen der Organisation Propublica zufolge soll Bezos in den Jahren 2007 und 2011 keine Einkommenssteuer gezahlt haben, obwohl er zu dieser Zeit bereits Milliardär war. Kritiker werfen ihm zudem vor, seine früheren Angestellten unterbezahlt zu haben, wie Business Insider berichtet. Die Steuerexpertin Erica York von der Tax Foundation weist jedoch darauf hin, dass viele Geringverdiener ohnehin kaum Steuern zahlen. Rechne man die zurückerstattbaren Zahlungen heraus, kämen auf die unteren 40 Prozent der Einkommen schon jetzt keine Steuerforderungen mehr zu.

Ablehnung des bedingungslosen Grundeinkommens

Bezos äußerte sich in dem Interview auch ablehnend gegenüber einem bedingungslosen Grundeinkommen. Seiner Ansicht nach würde die genannte Krankenschwester mehr von einer Steuerentlastung profitieren als von einem Grundeinkommen. Diese Positionierung ist bemerkenswert, da einige Technologieunternehmer – darunter auch Elon Musk – das Grundeinkommen als mögliche Lösung für die durch Automatisierung und KI verursachten Arbeitsplatzverluste betrachten. Bezos hingegen sieht in der Steuerbefreiung den effektiveren Weg, um die wirtschaftliche Situation von Menschen mit niedrigem Einkommen zu verbessern.

Die kalifornische Reichensteuer und Bezos' Wohnsitz

Ein weiteres aktuelles Thema ist die in Kalifornien angedachte Reichensteuer, die einmalig fünf Prozent auf hohe Vermögen erheben soll. Die Initiatoren planen, die Einnahmen für das Gesundheitswesen und den Bildungsbereich zu verwenden. Die Abstimmung darüber ist für November 2026 vorgesehen. Bezos wäre von dieser Steuer jedoch nicht betroffen, da er seinen Wohnsitz in Florida hat und nicht in Kalifornien lebt. Dies zeigt einmal mehr, wie wohlhabende Individuen durch die Wahl ihres Wohnsitzes Steuerzahlungen umgehen können.

Historischer Kontext der Steuerdebatte

Die Diskussion über Steuern für Wohlhabende ist nicht neu. Bereits in der Antike gab es Debatten über die gerechte Verteilung von Steuerlasten. In den USA führte die Große Depression in den 1930er Jahren zu einer Erhöhung der Spitzensteuersätze auf über 90 Prozent. In den letzten Jahrzehnten sind diese Sätze jedoch drastisch gesunken. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty hat in seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ argumentiert, dass die Vermögensungleichheit ohne staatliche Eingriffe weiter zunehmen wird. Bezos' Vorschlag, die Steuern für Geringverdiener zu senken, könnte als Schritt in Richtung einer progressiveren Steuerpolitik gesehen werden, doch seine gleichzeitige Ablehnung höherer Steuern für Reiche wirft Fragen auf.

Internationale Perspektiven

Weltweit gibt es unterschiedliche Modelle der Besteuerung. In skandinavischen Ländern wie Schweden und Norwegen sind die Steuersätze für hohe Einkommen vergleichsweise hoch, was zu einer geringeren Ungleichheit beiträgt. In Deutschland wird über die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer diskutiert. Die USA hingegen haben einen vergleichsweise niedrigen Spitzensteuersatz und zahlreiche Ausnahmen für Kapitalerträge. Bezos' Vorstoß könnte die Diskussion in den USA neu beleben, auch wenn er selbst keine konkreten Vorschläge für die Finanzierung seines Plans macht.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Ökonomen sind sich uneinig über die Folgen von Steuersenkungen für Geringverdiener und der gleichzeitigen Vermeidung höherer Steuern für Reiche. Befürworter argumentieren, dass niedrigere Steuern für Geringverdiener die Kaufkraft erhöhen und die Wirtschaft ankurbeln. Gegner warnen vor steigenden Staatsdefiziten und einer Unterfinanzierung öffentlicher Dienstleistungen. Die Haltung von Bezos könnte auch als Versuch interpretiert werden, seine eigenen Steuerlasten zu minimieren, während er gleichzeitig als Verfechter der Mittelschicht auftritt.

Fazit der Diskussion

Die Äußerungen von Jeff Bezos zur Steuerpolitik sind ein weiterer Beitrag zu einer jahrhundertealten Debatte über Verteilungsgerechtigkeit. Während sein Vorschlag, Geringverdiener komplett von der Einkommenssteuer zu befreien, auf breite Zustimmung stoßen könnte, bleibt seine Ablehnung höherer Steuern für Milliardäre umstritten. Die Realität zeigt, dass Steuersysteme stets ein Spiegel politischer Machtverhältnisse sind. Bezos hat mit seinem Vermögen und seinem Einfluss die Möglichkeit, diese Debatte maßgeblich zu beeinflussen – ob zum Guten oder zum Schlechten, muss die Zukunft weisen.


Source: t3n Magazin News


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