Javier Bardem, einer der profiliertesten Schauspieler Hollywoods, hat beim Filmfestival in Cannes eine bemerkenswerte Rede gehalten. Der 57-jährige Spanier, der für seine Rolle in „No Country for Old Men“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, zeigte sich bei einer Pressekonferenz tief besorgt über die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen. In seiner Ansprache kritisierte er scharf die Kriege und das Sterben unzähliger unschuldiger Menschen – und machte dafür ein Phänomen verantwortlich, das er als toxische Männlichkeit bezeichnete.
„Sind wir verdammt nochmal verrückt geworden?“, fragte Bardem die anwesenden Journalisten. „Wir töten Frauen, weil einige Männer glauben, dass sie über sie richten können, dass sie sie besitzen können.“ Dann wurde der Schauspieler noch deutlicher: „Dieses Problem hängt auch mit Herrn Trump zusammen, mit Herrn Putin, mit Herrn Netanjahu – die Männer mit den dicken Eiern, die sagen: ‚Schau, mein Schwanz ist größer als Deiner‘. Und dann sagen sie, wir werden die Scheiße aus Dir rausbomben. Das ist ein unglaublich toxisches, männliches Verhalten, das zum Tod von Tausenden von Leuten führt.“
Bardem ist bekannt für seine klaren politischen Statements. Er setzt sich seit Jahren für den Klimaschutz ein und zeigte sich dabei unter anderem mit Greta Thunberg. Bei den 77. Primetime Emmy Awards im vergangenen Jahr trug er ein Palästinensertuch, um gegen die israelische Militärkampagne im Gazastreifen zu protestieren. Seine Solidarität mit den Palästinensern ist tief in seiner spanischen Herkunft verwurzelt – wie viele seiner Landsleute zeigt er sich kritisch gegenüber israelischen Militäraktionen.
Der Schauspieler, der auch als Bösewicht in James-Bond-Filmen und an der Seite von Johnny Depp in „Fluch der Karibik“ zu sehen war, nutzt jede Gelegenheit, um auf Missstände aufmerksam zu machen. In Cannes richtete er seine Empörung nicht nur gegen die genannten Staatschefs, sondern auch gegen diejenigen, die dem Treiben schweigend zusehen: „Wir halten das offenbar für normal. Wir schauen zu und nehmen es einfach hin.“
Bardem sieht die Ursache für die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in einem Defizit in der Bildung. Er forderte mehr Aufklärung und Erziehung, um toxische Männlichkeit zu verhindern. „Ich komme aus Spanien, wo der Machismo weit verbreitet ist und die Zahl der Femizide hoch ist. Ich weiß, wovon ich spreche“, sagte er. Trotz allem zeigt er sich optimistisch: „Wir reden mehr darüber als noch vor 20 Jahren. Das ist nötig.“
Bardem ist in Cannes mit dem Film „The Beloved“ des spanischen Regisseurs Rodrigo Sorogoyen vertreten. Der Film erzählt die Geschichte eines Regisseurs in einer Midlife-Crisis. Der Hollywoodstar liefert darin nach Ansicht der Kritiker eine der besten Leistungen seiner Karriere ab. Die Zeitung „The Guardian“ urteilte, Bardem zeige seine beste Darstellung seit dem Coen-Klassiker „No Country for Old Men“. Der Film wurde beim Festival äußerst positiv aufgenommen.
Bardems Karriere umfasst ein breites Spektrum an Rollen – von dem diabolischen Anton Chigurh, für den er den Oscar als Bester Nebendarsteller gewann, über den romantischen Helden in „Vicky Cristina Barcelona“ bis hin zum Piratenkapitän in der „Fluch der Karibik“-Reihe. Sein politisches Engagement ist dabei stets ein zentraler Bestandteil seines öffentlichen Auftretens. Immer wieder spricht er sich gegen Ungerechtigkeit aus, sei es in Bezug auf den Klimawandel, den Nahostkonflikt oder die Diskriminierung von Minderheiten.
Die Rede in Cannes zeigt erneut, dass Bardem bereit ist, auch vor kontroversen Äußerungen nicht zurückzuschrecken. Mit seiner deutlichen Kritik an Trump, Putin und Netanjahu stellt er sich bewusst in die erste Reihe derjenigen, die eine neue Form des öffentlichen Diskurses einfordern. Die Frage, die er stellte – „Sind wir verdammt nochmal verrückt geworden?“ – wird in den kommenden Tagen sicherlich noch viele Diskussionen auslösen.
Source: t-online News